„Ich möchte den besonderen Ausdruck der Kühe zum Leben erwecken“
SNEEK – Kühe faszinieren Wiebe van der Zee (1953) aus Sneek. Und zwar so sehr, dass er sie schon seit etwa dreißig Jahren malt. „Man kann Kühe ruhig als meine Muse bezeichnen. Ihre Neugier und ihr Herdenverhalten finde ich interessant. Oft haben sie einen ganz besonderen Ausdruck im Gesicht. Das versuche ich in meinen Gemälden wirklich zur Geltung zu bringen. Die Kühe sollen sozusagen zum Leben erweckt werden.“
Schon als kleiner Junge war Wiebe von Kühen fasziniert. Bei seinem Onkel Auke stand er mitten unter den Kühen im Stall. „Ich fand sie schon damals unheimlich interessant. Wie sie alle beieinander stehen und einen neugierig anschauen. Oft habe ich mich gefragt, was sie wohl denken. Würden sie in ihrer eigenen, geheimnisvollen Kuhsprache über uns ‚reden‘?
Studium
In der Realschule stellte sich heraus, dass Wiebe gut zeichnen und malen konnte. Seine Arbeiten wurden regelmäßig in der Schule ausgestellt. Wiebe wurde daher schon bald klar, dass er einen kreativen Weg einschlagen wollte. Nach Ableistung seines Wehrdienstes bestand er die Aufnahmeprüfung für die Lehrerausbildung an der Ubbo-Emmius-Schule (Fachrichtung Handarbeit/Zeichnen). Dennoch begann er zunächst als Innendienstverkäufer bei einem Unternehmen in der Nähe zu arbeiten. „Ich war bereits mit Geertje verheiratet und sah es als meine Pflicht an, dafür zu sorgen, dass Geld auf den Tisch kam. Doch schon bald merkte ich, dass das nichts für mich war. Meine Frau ermutigte mich, die Aufnahmeprüfung noch einmal zu machen. Ich bestand sie erneut. Da habe ich dann doch mein Studium begonnen.“
Während seines Studiums las Wiebe in der Zeitung, dass Teilnehmer für einen Kunstmarkt in Franeker gesucht wurden. „Es war wieder einmal meine Frau, die mich dazu drängte, hinzugehen. Sie schob mich quasi aus dem Haus, damit ich bei der Nachbarin anrufen und mich anmelden konnte. Wir hatten selbst kein Telefon.“ Seine Teilnahme erwies sich als Erfolg. „Ich verkaufte mehrere Werke, vor allem typisch friesische Landschaften. Das macht Spaß, dachte ich. Von da an besuchte ich in den Ferien alte Handwerksmärkte und Kunstmärkte, um meine Werke zu verkaufen. So verdiente ich doch noch ein nettes Taschengeld.“
Kühe
Nach seinem Studienabschluss begann er 1981 als Lehrer für Zeichnen und Werken zu arbeiten. In der Zwischenzeit malte Wiebe weiter. Nach zwölf Jahren stellte sich heraus, dass sich das Malen nicht mehr mit seinem Beruf als Lehrer vereinbaren ließ, und Wiebe verließ den Schuldienst. „Obwohl mir das Unterrichten sehr viel Spaß gemacht hat, schlug mein Herz doch für die Malerei. Glücklicherweise hatte ich das Privileg, davon leben zu können.“ In der Zwischenzeit waren auch die Kühe wieder ins Spiel gekommen. „1986 waren wir im Urlaub in Gorssel. Plötzlich sah ich einige Kühe, die gemütlich auf der Weide lagen. Vorsichtig schlich ich näher heran, um das Ganze in Aquarell festzuhalten. Die Tiere faszinierten mich sofort. Wie sie einen ansehen, ihr Herdenverhalten, ihr Charakter. Es kommt regelmäßig vor, dass ich das Auto am Straßenrand parke, um Kühe zu fotografieren. Anhand eines Fotos fertige ich ein Aquarell an, manchmal auch ein Ölgemälde. Ich möchte so realistisch wie möglich malen und dabei den besonderen Ausdruck der Kühe zum Leben erwecken.“
Im Laufe der Jahre hat Wiebe viel über Kühe gelernt. „Ich bin natürlich kein Landwirt, aber ich glaube, ich weiß mehr über Kühe als der durchschnittliche Niederländer. Außerdem bin ich im Rahmen meiner Arbeit regelmäßig auf Landwirtschaftsmessen vertreten. Dort erzählen mir die Leute die schönsten Geschichten über ihre Kühe.“ Anscheinend teilen viele Menschen seine Liebe zu diesen Tieren, denn seine Werke werden weltweit verkauft. Neben Originalgemälden sind auch Reproduktionen und Giclée-Drucke erhältlich. Seit 2004 gibt es zudem eine Porzellan-Geschirrserie auf dem Markt.
Der Kuhmaler
Malt Wiebe denn wirklich nur Kühe? „Nein, ganz sicher nicht“, lautet seine entschiedene Antwort. „Ich male zum Beispiel auch regelmäßig Landschaften und andere Tiere. Kürzlich habe ich sogar einen ausgemusterten Volvo mit dem Titel ‚Die heilige Kuh‘ gemalt. Aber mit Kühen bin ich buchstäblich groß geworden. Da wäre es doch seltsam, wenn ich plötzlich anfangen würde, lauter rote Ferraris zu malen. Man nennt mich auch den Kuhmaler. Darauf bin ich ziemlich stolz.“
Weitere Informationen
Neugierig auf die Werke von Wiebe van der Zee? Dann schauen Sie doch mal auf www.wiebevanderzee.com vorbei. Sein Atelier in der Cornelis Kanstraat 2 in Sneek kann während der Öffnungszeiten auch frei besichtigt werden. Das ist mittwochs bis freitags von 13:00 bis 17:00 Uhr und samstags von 10:30 bis 17:00 Uhr möglich.






















































































